1. Hamburger Wirtschaftstag Syrien

1. Hamburger Wirtschaftstag Syrien

1. Hamburger Wirtschaftstag Syrien

Investitions- und Handelsmöglichkeiten in einem sich öffnenden Markt

Termin: 06. Juli 2010
Uhrzeit: 09.00 – 17.00 Uhr
Ort: Handelskammer Hamburg
Im Rahmen des “Hamburger Wirtschaftstag Syrien” lernten die Teilnehmer die perspektivischen Entwicklungen des syrischen Wirtschaftsstandortes kennen und wurden umfassend über Investitions- und Exportmöglichkeiten infomiert. Die Veranstaltung diente als Forum für Gespräche und Kontaktaufnahme mit Fachreferenten, Entscheidungsträgern und renommierten Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Recht.
Der Hamburger Wirtschaftstag Syrien fand in Zusammenarbeit mit der Handelskammer Hamburg und dem Honorarkonsulat der Syrischen Arabischen Republik in Norddeutschland statt.
Schwerpunkte der Veranstaltung:
  • Allgemeine Rahmenbedingungen zum Standort Syrien
  • Logistik, Telekommunikation und Infrastruktur
  • Umwelt und Energie
  • Lebensmittel-& Textilindustrie und Petrochemie

Die Transition der syrischen Wirtschaft von einer Plan- zu einer sozialen Marktwirtschaft und die damit einhergehende Marktöffnung und Liberalisierung eröffnen deutschen Unternehmen ein Spektrum neuer Investitionsmöglichkeiten.

09.00 Uhr: Registrierung
09.30 Uhr: Grußworte
  • Stefan W. Dircks, Vorsitzender des Arbeitskreises Asien der Handelskammer Hamburg
  • Hani Nasri, Honorarkonsul der Syrischen Arabischen Republik – EMA-Beirat
  • Martin Köppen, Amtsleiter Internationales, Energie, Wirtschaftsförderung der Behörde für Wirtschaft und Arbeit Hamburg
  • Saeb Nahas, Ehrenmitglied der EMA e.V.
10.00 Uhr: Block I: Allgemeine Rahmenbedingungen zum Standort Syrien
Moderation: Taoufik Ben Amara, UNO-Botschafter a.D. – EMA-Beirat
  • Syrien- ein sich öffnender Markt; Staatssekretär Hussam Al Din Al Hakim, Ministry of Local Administration
  • Allgemeine Rahmenbedingungen Syriens, Christian Glosauer, Reisekorrespondent, Germany Trade & Invest
  • Die syrischen staatlichen Förder- und Entwicklungsprogramme und Investitionsprojekte, Prof. Dr. Matanios Habib, Minister for Petroleum and Mineral Ressources (a.D.), Universität Damaskus
  • Die Entwicklungen der deutsch-syrischen Wirtschaftsbeziehungen; Dr. Alexander Tettenborn, Referatsleiter Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
  • Diskussion
11:00 Uhr: Kaffeepause
11:30 Uhr: Block II: Rechtliche Rahmenbedingungen und Investitionsmöglichkeiten in Syrien
ModerationDr. Abdallah Nassour, Universität Rostock
  • Aktuelle Wirtschaftsreformen in Syrien und Investitionsmöglichkeiten für die deutsche Wirtschaft, Dr. Magdy El Menshawy, Regionaldirektor Syrien und Libanon – GTZ Syrien
  • Rechtliche Rahmenbedingungen, Investitionsgarantien und die Gründung einer Niederlassung / eines Joint Venture für deutsche Unternehmen, Dr. Stephan Jäger, Partner, Amereller Rechtsanwälte
  • Förderung der Privatwirtschaft in Syrien – Finanzierungsmöglichkeiten und Leistungen der DEG, Wilhelm Icke, Vice-President Europe / Middle East/ Central Asia, DEG
  • Diskussion

12:30 Uhr: Lunch 

13:30 Uhr: Block III: Infrastruktur, Umwelt und Energie / Sonderwirtschaftszonen und Hilfe stellung für privatwirtschaftliches Engagement in Syrien
Moderation: Heinz W. Dickmann, Handelskammer Hamburg
  • Investitionen in Infrastrukturprojekten; Saeb Nahas, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der Nahas Enterprises Group
  • Hermesbürgschaften zur Unterstützung deutscher Unternehmen, Volker Knauth, Head of Unit Middle East / Turkey, Euler Hermes
  • Das Umwelt- und Energiebusiness in Syrien, Dr. Abdallah Nassour, Universität Rostock
  • Vorstellung der “Industrial Cities” in Syrien; Akram Hassan, Leiter der Industrial Cities
  • Diskussion
15.00 Uhr: Kaffeepause

15.30 Uhr: Block IV: Leichtindustriesektor und Transport
Moderation: Heinz W. Dickmann Handelskammer Hamburg
  • Das Exportpotential der syrischen verarbeitenden Industrien am Beispiel der Textil, Bekleidungs-  und Olivenölindustrie, Dr. Salam Said, Universität Bremen
  • Einblicke in den syrischen Leicht-Industrie-Sektor und praktische Hinweise; RA / Mohami Oussama Al-Agi, Kanzlei Al-Agi, Syrian German Business Center
  • Erfahrungsbericht: Transporte zwischen Deutschland und Syrien; Florian Jäckel, Stv. Abteilungsleiter Exportabteilung Fahrgebiete East Med, Greece-Turkey, Black Sea, West Med, Baltic, Mediterranean Shipping Company Germany
 16:30 Uhr: Abschlussdiskussion
 
17: 00 Uhr: Ende der Veranstaltung

Die syrische Wirtschaft ist traditionell stark vom Erdölexport abhängig. Der Anteil der Rohstoffe am Exportvolumen sank jedoch von 2000 auf 2008 von 80% auf 40% und der Beitrag des Sektors zum Staatshaushalt nimmt stetig ab. In Anbetracht dessen sucht die Regierung, durch Förderung der Privatwirtschaft und Reform der Steuer- und Finanzsysteme neue Einnahmequellen zu erschließen und verfolgt unter Präsident Dr. Bashar Al-Assad einen liberalisierungsorientierten Reformkurs.
Die Reformschritte seit 2002 umfassen u.a. die Öffnung des Banken-, Versicherungs-, Zement- und Elektrizitätssektors für private Initiative, die Liberalisierung des Einfuhrregimes mit teilweise drastischen Zollsenkungen und die Einführung eines harmonisierten Zollsystems (NHS), eine Senkung der Körperschaftssteuer, die Vereinheitlichung der Wechselkurse, die Erleichterung von Auslandsbeteiligungen, eine Reform des Gesellschafts-, Investitions-, Immobilien- und Markenrechts, das Erlassen eines Wettbewerbsgesetzes sowie die Gründung einer Investitionsbehörde. Die neuen Gesetze erleichtern u.a. die Unternehmensgründung, den Grunderwerb für Ausländer zu Investitionszwecken und die Repatriierung von Profiten.
Des weiteren wurden sieben Freihandelszonen (u.a. in Damaskus, am Internationalen Flughafen von Damaskus, in Aleppo und an den Häfen in Latakia und Tartus) errichtet, die mit Sonderkonditionen insbesondere exportorientierte Investoren anziehen sollen. Ausländische Direktinvestitionen stiegen von 600 Millionen US$ in 2006 auf 885 Millionen US$ in 2007. Neben der Reform des Finanzsektors soll ein im Januar 2010 in Damaskus eröffnetes Streitschlichtungszentrum für Wirtschaftsfragen die Attraktivität Syriens für Auslandsinvestitionen weiter steigern.
Seit 2005 ist Syrien Mitglied der Greater Arab Free Trade Association (GAFTA), die in Syrien produzierten Produkten zollfreien Zugang zu 14 anderen arabischen Ländern gewährt. Ein Freihandelsabkommen mit der Türkei ist seit Januar 2007 in Kraft. Zudem nimmt Syrien an Programmen im Rahmen der Europäischen Nachbarschaftspolitik und am Barcelona-Prozess der Europäischen Union bwz. der Mittelmeerunion teil und strebt den Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) an. Ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union wurde bereits mehrfach paraphiert, bedarf jedoch noch der Unterzeichnung.
Aufgrund seiner geringen Verflechtung mit den internationalen Finanzmärkten hat die internationale Finanzkrise Syrien kaum getroffen, jedoch blieb das Land von den realwirtschaftlichen Auswirkungen nicht verschont. Die reale Wachstumsrate ging von 6,3% in 2007 auf  5,1% in 2008 und 2,2% in 2009 zurück. Dass trotz des Rückgangs der Ölfördermengen und -exporterlöse insgesamt ein positives
Wachstum zu verzeichnen war, ist auf die voranschreitende Expansion des Privatsektors zurückzuführen. Für 2010 wird mit geschätzten 3,7% Wachstum eine leichte Erholung erwartet. Gleichzeitig stellt die Eröffnung der Damaszener Börse (Damascus Securites Exchange, DSE) im März 2009 inmitten der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise einen weiteren sichtbaren Schritt im Transformationsprozess dar.
Syriens Hauptexportgüter sind Erdöl, dessen Fördermenge derzeit etwa 350 000 Barrel/Tag beträgt, daneben Nahrungsmittel, Textilien und Bekleidung. Die wichtigsten Einfuhrgüter sind Maschinen und Transportausrüstungsgüter, Metalle und Metallerzeugnisse, Kraftfahrzeuge, Nahrungsmittel und chemische Produkte. Deutschland exportierte 2008 Waren im Wert von 688 Millionen Euro nach Syrien und importierte aus Syrien Waren für über 1239 Millionen Euro, wobei Erdöl das Hauptimportgut darstellt. Deutschland ist Syriens größter Abnehmer im Mineralölbereich, Syrien ist siebtgrößter Öllieferant für Deutschland. Gleichzeitig ist Deutschland für Syrien eines der wichtigsten Lieferländer für elektrotechnische Erzeugnisse, Maschinen, chemische Produkte und Kraftfahrzeuge.
Die syrisch-deutschen Beziehungen sind traditionell eng und freundschaftlich. Deutschland genießt einen sehr guten Ruf und ist politisch und wirtschaftlich ein gefragter Partner. Syrien ist nach einem Umschuldungsabkommen seit 2002 wieder Partnerland der deutschen Entwicklunszusammenarbeit, deren Schwerpunkt im Wassersektor liegt. Darüber hinaus ist Deutschland auch in den Bereichen Wirtschaftsreformen, Hochschulbildung, Stadtentwicklung und erneuerbare Energien aktiv. Im Februar 2010 eröffneten der syrische Vize-Premierminister und der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium den Syrisch-Deutschen Wirtschaftsrat, dessen Ziel es ist, verstärkt Kontakte zwischen deutschen und syrischen Unternehmen zu knüpfen und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu vertiefen. Dies wird durch ein Doppelbesteuerungsabkommen, das ebenfalls im Februar 2010 unterzeichnet wurde, unterstützt.
Konkret bieten sich deutschen Unternehmen gute Investitionsmöglichkeiten in den folgenden Bereichen:
Nach der Öffnung des Finanzsektors haben sich bereits sieben nicht-staatliche Banken sowie die erste, mit Beteiligung der Kreditanstalt für Wiederaufbau gegründete Mikrokreditanstalt des Landes etabliert. Die Liberalisierung hat zu Wettbewerb zwischen den Banken und der Einführung neuer Dienstleistungen geführt. Ein neues Gesetz genehmigt nun private Anteile bis zu 60% (vormals 49%). Die Entwicklung des Banksektors hat bereits in den ersten zwei Jahren die Erwartungen übertroffen und scheint auch für die nächsten Jahre vielversprechend. Mit nur etwa 3.000 versicherten Privathaushalten ist das Land zudem ein nahezu unbearbeiteter Markt für die Versicherungsbranche. Seit Öffnung des Sektors im Jahre 2005 sind bisher neun private Versicherungsunternehmen aktiv.
Im Transportwesen und  der Logistik sind weitreichende Maßnahmen geplant, darunter die Modernisierung und der Ausbau der Flughäfen, Investitionen in die Infrastruktur der Regionen im Osten und die Ergänzung des Schienennetzes um Expresslinien. Desweiteren sollen die Handelshäfen in Latakia und Tartus modernisiert werden, wobei für das Management der Terminals partiell Privatkonzessionen in Form von BOT- (Build-Operate-Transfer)Verträgen vergeben werden sollen. Um von seiner geographischen Lage zu profitieren, will Syrien sein Autobahnnetz auf 2300 km verdoppeln und so zum Transitland zwischen dem Mittelmeer und Iraq, zwischen der Türkei und den Golfstaaten werden. Auch hierbei sollen BOT-Verträge Privatinvestoren anziehen. Darüber hinaus sind weitere Großprojekte geplant wie die Hedschasbahn zwischen Damaskus und Jeddah und die Metro Damaskus.
Seit der ersten Öffnung der Telekommunikationsbranche in 1991 lässt die staatliche Monopolgesellschaft Syrian Telecommunications Establishment im Festnetzbereich schrittweise ausländische Investitionen zu. Die Telefon- und Internetinfrastruktur wird überarbeitet; hier ist Siemens bereits aktiv. Der Mobilfunkbereich expandiert stark und demnächst soll eine dritte Lizenz an einen privaten Anbieter vergeben werden. Die Regierung unterstützt mit speziellen Kreditprogrammen den privaten Kauf von Computern und möchte die Zahl der Internetnutzer steigern. Neue Anbieter sollen das Dienstleistungsspektrum erweitern; in diesem Zusammenhang bietet das Internet durchaus Wachstumspotentiale.
Aufgrund der demographischen und wirtschaftlichen Entwicklung steigt der Energiebedarf jährlich um 10%. Zu den geplanten Initiativen im Engergiesektor zählen die Modernisierung und der Neubau von Ölraffinerien, der Ausbau des Öl- und Gaspipelinenetzes und der Bau eines Kraftwerks. Hier bietet die notwendige Anpassung des Verteilungsnetzes deutschen Firmen kommerzielle Möglichkeiten. Im Wind- und Solarenergiebereich bestehen gute bis sehr gute natürliche Bedingungen. Ein Interesse an erneuerbaren Energien setzt zwar nur langsam ein, Gesetzesinitiativen und Fördermaßnahmen sind jedoch in Planung. Mittel- bis langfristig könnten sich daher interessante Geschäftsperspektiven für deutsche Firmen ergeben.
Was die Leichtindustrie anbelangt, so macht die schrittweise Öffnung der bisher abgeschirmten Märkte in einer Vielzahl von Bereichen eine Modernisierung der Produktionsanlagen notwendig. Kompetitive Preise vorausgesetzt, können deutsche Unternehmen hierbei vom ausgezeichneten Ruf des Qualitätssiegels „Made in Germany“ gerade im Maschinenbereich profitieren.
Die Tourismusbranche, die die Regierung zu einer der wichtigsten öl-unabhängigen Wirtschaftssäulen ausbauen will,ist mit zweistelligen Wachstumsraten einer der dynamischsten Wirtschaftszweige in Syrien. Im Zuge des ersten Tourism Investment Market Forum in 2005 beispielsweise wurden für 13 von 33 seitens des Ministeriums für Tourismus ausgeschriebenen Projekte Verträge abgeschlossen und Hotelmanagementunternehmen wie Intercontinental und Holiday Inn erstmals zugelassen. Bis auf die Luxushotels verfügen Hotels bisher jedoch kaum über Freizeiteinrichtungen. Die Hotelinfrastruktur in der Mittelklasse ist unzureichend und bedarf in jedem Fall der Modernisierung, um den Ansprüchen des gehobenen und des Kulturtourismus zu genügen.
Weitere Investitionsmöglichkeiten bestehen im Bildungs– und im Gesundheitssektor, in der Textilbranche und im pharmazeutischen Bereich.

Syriens Transformationsprozess als Chance für deutsche Unternehmen

Bericht

Unter reger Beteiligung syrischer wie deutscher Teilnehmer fand am 6. Juli im Plenarsaal der Handelskammer Hamburg der Wirtschaftstag Syrien statt. In Kooperation mit dem Honorarkonsulat Syrien wurden unter dem Motto „Investitions- und Handelsmöglichkeiten in einem sich öffnenden Markt“ gegenseitige Geschäftsmöglichkeiten erörtert und wichtige gesellschaftliche Kontakte geknüpft.

Stefan W. Dircks, Vorsitzender des Arbeitskreises Asien der Handelskammer Hamburg, begrüßte die Gäste mit Hinweis auf das verstärkte Interesse an Syrien, das anhand der vermehrten Delegationsreisen zum Beispiel unter der Schirmherrschaft von Guido Westerwelle dorthin anschaulich beobachtet werden kann. Vor allem der Wandel von einer Plan- hin zu einer sozialen Marktwirtschaft ebne den Weg in ein attraktives Investitionsland, so Dircks.

Im Anschluss daran begrüßte Hani Nasri, Honorarkonsul der Syrischen Arabischen Republik in Hamburg, die Teilnehmer und Referenten. Er pries sowohl Syrien als geschichtsträchtiges Land und Treffpunkt verschiedenster Kulturen, als auch die Schönheit der Stadt Hamburg und deren Status als Tor zur Welt. Er dankte der Handelskammer und den syrischen Teilnehmern mit dem Aufruf, die an diesem Tag gewonnenen Erfahrungen zu verbreiten und die Zusammenarbeit zu fördern.

Dass von Seiten der Unternehmer in Hamburg ein großes Interesse an dem Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen mit Syrien besteht, betonte Martin Köppen, Amtsleiter Internationales, Energie und Wirtschaftsförderung, Behörde für Wirtschaft und Arbeit Hamburg. Vor allem im Sektor erneuerbarer Energien sieht er große Kooperationsmöglichkeiten. Der Wirtschaftstag Syrien solle dazu dienen, dass mehr Syrer und syrische Unternehmen in Hamburg Fuß fassen.

Saeb Nahas, Geschäftsführer der Nahas Enterprises Group, Ehrenmitglied der EMA und Exklusivsponsor der Veranstaltung, betonte die langjährige deutsch-syrische Freundschaft und äußerte seine Hoffnung auf weitere erfolgreiche Kooperation zwischen diesen beiden Partnern, vor allem im Bezug auf die Erweiterung der Infrastruktur in Syrien.

Nach diesen einstimmenden, Erfolg verheißenden Grußworten wurde unter der Moderation von UN-Koordinator a.D. Taoufik Ben Amara der erste Block mit dem Vortrag von Herrn Christian Glosauer eröffnet.

Dieser berichtete in seiner Rolle als Reisekorrespondent der German Trade and Investment von seinen Erfahrungen  mit dem sympathischen Land Syrien und dessen gut gebildeter Bevölkerung. Des Weiteren zeigten die von ihm präsentierten Zahlen die positive Leistungsbilanz mit Deutschland, wobei sich ein allgemeiner nominaler Zuwachs in den Beziehungen zwischen Syrien und Deutschland erkennen ließ.

Dass Syrien mit seinem enormen Handelsvolumen einen breiten und weiten Markt bietet, der so den europäischen Markt dazu anregt, sich für syrische Produkte zu öffnen, erkannte Prof. Dr. Mtanios Habib, Präsident der EMA in Syrien und Minister for Petroleum and Mineral Ressources a.D. sowie Professor an der Universität Damaskus . Weiterhin bemerkte er, dass Syrien aufgrund seiner geographisch vorteilhaften Lage als Brücke der Freundschaft, Zusammenarbeit und der gemeinsamen Interessen dienen soll.

Ergänzend hielt Dr. Alexander Tettenborn seinen interessanten Vortrag zum Thema allgemeine Rahmenbedingungen zum Standort Syrien mit spezieller Berücksichtigung auf die Bildung. So besitzen nach Tettenborn 22% aller syrischen Professoren einen deutschen Abschluss, was die syrisch-deutsche Verknüpfung auf Bildungsebene erkennen lässt. Weiterhin betonte er die guten Rahmenbedingungen Syriens, die sich unter anderem im  Investitionsschutz und dem Doppelbesteuerungsabkommen darstellen.

In der anschließend angeregten Diskussion wurden zahlreiche Fragen der Teilnehmer von den ausgewiesenen Experten beantwortet.

Im zweiten Themenblock, moderiert von Dr. Abdallah Nassour von der Universität Rostock, gingen die Referenten detailierter auf die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen ein. Einleitend beschrieb Dr. Magdy El Menshawy, Leiter der GTZ Syrien, unter anderem die gestiegene Relevanz des privatwirtschaftlichen Sektors und den damit verbundenen ausbaufähigen Mikrofinanzmarkt. Zusätzlich beschrieb er viele durch deutsche Beteiligung und Förderung verwirklichte oder im Aufbau stehende Projekte, die zum Beispiel durch die GTZ selbst, den DAAD oder andere Einrichtungen unterstützt wurden.

Wilhelm Icke von der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft berichtete darauffolgend konkret von der Arbeit und den Aufgaben des Unternehmens, die vor allem die langfristige Finanzierung zur Unterstützung und Förderung syrischer Unternehmen vorsehen. Des Weiteren stellte er Public-Private-Partnership-Programme vor, die die Schulung des Personals und Managements vorsehen und deren Kosten zu 50%  von der BMZ abgedeckt werden.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen wurden abschließend von Dr. Stephan Jäger (Amereller Rechtsanwälte) mit Blick auf die geschichtlichen Hintergründe erläutert, in dem er unter anderem detailliert auf Vertriebs- und Investitionsrecht einging, aber auch problematische rechtliche Situationen bei der Streitbeilegung beleuchtete.

Danach konnten die Teilnehmer die bis dahin neugewonnenen Informationen beim Mittagessen auf sich wirken lassen und nutzten die Zeit zwischen den Vorträgen auch dafür, um geschäftliche Kontakte zu knüpfen und den deutsch-syrischen Austausch aktiv zu betreiben.

Frisch gestärkt wurde dann der dritte Block eingeläutet, der durch Heinz W. Dickmann von der Handelskammer Hamburg moderiert wurde und der an Saeb Nahas übergab. Dieser stellte im Bezug auf Infrastruktur, Umwelt und Energien zahlreiche Projekte in Syrien mit europäischer Beteiligung dar. Er erörterte diesbezüglich detailliert die entsprechenden Pläne und Vorhaben und betonte, dass für weitere Projekte im Energie- und Abwassersektor Ausschreibungen folgen werden.

Volker Knauth stellte darauf hin die Euler-Hermes-Kreditversicherungs-AG vor und thematisierte unter anderem allgemeine Voraussetzungen und Risiken. Er ließ erkennen, dass seit 2009 verbesserte Deckungsmöglichkeiten nach Syrien bestehen, diese jedoch in Syrien zahlenmäßig noch vergleichsmäßig gering und ausbaufähig sind.

Gute Rahmenbedingungen für das Umweltbusiness in Syrien konstatierte auch Dr. Abdallah Nassour von der Universität Rostock, welcher klare Möglichkeiten zum Markteintritt der deutschen Wirtschaft in Syrien vor allem im Bereich der Weiterqualifikation erkannte. So zeigte er anhand konkreter Beispiele, wie syrische Entscheidungsträger und Führungskräfte nach Deutschland zur fachspezifischen Fortbildung geschickt werden und so als aktives Bindeglied zwischen den zwei Ländern agieren.

Auch der vierte Block wurde von Heinz W. Dickmann moderiert, der Dr. Salam Said von der Universität Bremen das Wort übergab. Diese richtete den Blick auf beide Seiten der Textil- und Bekleidungs- und Olivenölproduktion: Sowohl die komparativen Vorteile der beispielsweise relativ günstigen Produktionsbedingungen und der guten geographischen Lage, als auch  Barrieren, wie zum Beispiel hohe Zölle und andere Abgaben, wie auch die Herausforderung mit kleinen Familienunternehmen konfrontiert zu werden, fanden in ihrem Vortrag Ausdruck.

Rechtsanwalt Oussama Al Agi (Kanzlei AL-AGI) und vom Syrian German Business Center, vermittelte im nächsten Beitrag nicht nur Einblicke und praktische Hinweise in den syrischen Leicht-Industrie-Sektor, sondern rief die Anwesenden auch dazu auf, die kulturellen Eigenheiten des Orients nicht zu übergehen, da dies vereinzelt auch zu Missverständnissen führen könne. Er appellierte an die Zuhörer, nun den günstigen Zeitpunkt zu nutzen um in Syrien zu investieren, da die modernisierte Wirtschaftsgesetzgebung und der dortige Arbeitsmarkt sich attraktiv für deutsche Unternehmen gestalte.

Der erfolgreiche und informationsreiche Wirtschaftstag Syrien wurde durch Florian Jäckel von der MSC, der zweitgrößten Containerreederei der Welt, abgeschlossen. Jäckel beschrieb die Vorteile der Seefracht als kosteneffektivstes und sicherstes Transportmittel und erläuterte den konkreten Ablauf und die MSC-Verbindungen nach Lattakia und Tartous, die wirtschaftlich wichtigsten Häfen in Syrien.

So wurde die Veranstaltung mit der großen Hoffnung der Teilnehmer auf verstärkte Zusammenarbeit zwischen deutschen und syrischen Unternehmen abgeschlossen, und im Anschluss daran rege die Gelegenheit genutzt, Kontakte zu knüpfen und auszutauschen. Dies kann wohl als klares Zeichen eines erfolgreichen Tages gewertet werden. Auch die EMA zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ablauf des Wirtschaftstages und freut sich darauf, auch weiterhin zwischen den EMA-Ländern zu vermitteln.

Von Vanessa Orlik
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