1. Hamburger Wirtschaftstag Türkei

Termin: 11. Februar 2011
Uhrzeit: 09.00 Uhr – 17.00 Uhr
Ort: Handelskammer Hamburg
Adolphsplatz 1
Die Türkei liegt geografisch an einer Schlüsselposition zwischen Europa, dem Nahen Osten und Zentralasien. Sie ist eines der modernsten und ökonomisch dynamischsten Länder der Region. Der Hamburger Wirtschaftstag Türkei bietet einen grundlegenden Einblick in die wirtschaftliche Lage des Landes und stellt Schlüsselsektoren vor, die für deutsche Investoren besonders interessant sind. Die Veranstaltung ermöglicht Ihnen in direkten Kontakt zu Entscheidungsträgern und Experten aus Wirtschaft, Politik und Recht zu treten sowie erste Geschäftskontakte zu türkischen Unternehmern aufzubauen.
Geplante Schwerpunkte der Veranstaltung:
  • Allgemeine wirtschaftliche Rahmenbedingungen
  • Maschinenbau und Lebensmittelindustrie
  • Energie und Stromerzeugung durch Erneuerbare Energie
  • Logistik und Infrastruktur

Anmeldung

Vereinsregister beim Amtsgericht Charlottenburg

Eingetragen unter: VR38189B

Steuernummer: 1127/664/53381

Bankverbindung

Kontoverbindung: EMA e.V.

Bankverbindung: Commerzbank AG

BLZ: 200 400 00

Konto-Nr.: 1710755 00

IBAN: DE58 2004 0000 0171 0755 00

BIC: COBADEFFXXX

Vorläufiges Programm (Stand 10.02.2011)

Ab 09.00 Uhr: Registrierung
09.30 Uhr  Begrüßung
  • Heinz W. Dickmann, stellvertretender Geschäftsführer in der Handelskammer Hamburg
  • Prof. Dr. Horst H. Siedentopf; Präsident der EMA e.V.
  • Marc Landau, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, Deutsch-Türkische Industrie- und Handelskammer

Grußwort

  • Devrim Öztürk, Generalkonsul der Republik Türkei in Hamburg
10.00 Uhr
Block 1: Allgemeine Rahmenbedingungen zur Türkei

Moderation: Marc Landau, Deutsch-Türkische Industrie- und Handelskammer

  • Deutsch-Türkische Wirtschaftsbeziehungen; Ministerialrat Helge TolksdorfReferatsleiter EU-Erweiterung, Südosteuropa, Türkei Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
  • Das Investitionsklima in der Türkei; Fatih AltunyuvaISPAT(Republic of Turkey Prime Ministry Investment Support and Promotion Agency)
  • Finanzierung von Investitionen in der Türkei; Ulrich BurghardtDirektor Cross border Business Management, UniCredit Bank AG
  • Rechtlicher Rahmen- aktuelle Themen und Entwicklungen; Dr. Mehmet KöksalLuther Karasek Köksal Danismanlik A.S.

11.30 Uhr Kaffeepause

12.00 Uhr
Block 2: Maschinenbau und Lebensmittelindustrie

Moderation: Marc Landau, Deutsch-Türkische Industrie- und Handelskammer

  • Türkische Maschinenbauindustrie – Handels- und Investitionsmöglichkeiten; Ali ErenVizepräsident, TMPG (Turkish Machinery Promotion Group)
  • Produkte für den europäischen Markt: Früchte, Gemüse und Aquakultur –Produkte; Sezmen Alper, Generalsekretär, AEA (Aegean Exporters’Associations)
  • Außenhandelsbeziehungen der Türkei mit den Nachbarländern und Trilaterale Kooperationen;  Kudret Ceran, Vize-Generaldirektor, Außenhandelsstaatsekretariat des Ministerpräsidentenamtes der Republik Türkei

13.00 Uhr Lunch

14.00 Uhr
Block 3: Erneuerbare Energien

Moderation: Heinz-W. Dickmann, Handelskammer Hamburg

  • Die Energiepolitik der Türkei, aktuelle Entwicklungen im Bereich Erneuerbare Energien; Frau Sinem Caynak, Expert, Generaldirektorium für Energieangelegenheiten,  Ministerium für Energie und Naturalressourcen
  • Windenergiepolitik der Türkei, Investitions- und Kooperationsmöglichkeiten;  Mehmet Ayerdem, Vize-Generaldirektor, TETAS (Turkish Electricity Trading and Contracting Company Inc.), Ministerium für Energie und natürliche Ressourcen
  • Windkraft in der Türkei; Dr.Helmut Klug, Regional Manager Central Europe, Middle East & Africa, Germanischer Lloyd Garrad Hassan
  • Der Markt für Windenergie in der Türkei: aktuelle Situation und Entwicklungen; Ayhan Gök, Managing Director, Nordex Turkey
15.30 Uhr Kaffeepause
16.00 Uhr
Block 4: Logistik und Infrastruktur

Moderation: Heinz-W. Dickmann, Handelskammer Hamburg

  • Entwicklungen im türkischen Logistiksektor, Projekte im Infrastrukturausbau und PPP-Projekte; Murat Gürmeric, Head of Department, Prime Ministry, State Planning Organisation
  • Die Türkei als Logistikhub zwischen Ost und West; Kosta Sandalci, Vizepräsident, UTIKAD (Freight Forwarders & Logistics Service Providers Association)
  • Erfahrungsbericht eines deutschen Unternehmens; Osama Romhi, Management European Overland – vice president
    Kühne & Nagel KG
Eckpunkte zur türkischen Wirtschaft
Die Türkei bildet den Knotenpunkt zwischen Europa und Asien. Nach dem ersten Weltkrieg formte der Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk aus dem türkischen Teil des Osmanischen Reichs eine laizistische Republik nach europäischem Vorbild. Die Fläche der Türkei ist etwa doppelt so groß wie Deutschland, gleichzeitig leben aber nur ungefähr 73 Millionen Menschen im Land.

Nach einem starken Wirtschaftswachstum zu Beginn des Jahrzehnts (2004 9,4 %) wurde auch die Türkei von der weltweiten Wirtschaftskrise getroffen und das BIP sank 2009 um 4,7 %. Im Jahre 2010 setzte der Aufschwung wieder ein und das Wirtschaftswachstum wird auf 6,8 % prognostiziert.[1] Die Türkei ist damit eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in der OECD.

Eine beschleunigte Privatisierung verbunden mit Reformen in den Bereichen Landwirtschaft, Energie, Telekommunikation und Finanzwesen haben die positive Entwicklung im ersten Halbjahr 2010 weiter verstärkt. Die Zuwächse betreffen dabei vor allem das produzierende Gewerbe, die Bauwirtschaft und den Außenhandel, während in der Dienstleistungsbranche ein relativ geringer Anstieg zu verzeichnen ist. Hier wiesen der Finanzsektor mit 6,8% und der Bereich Transport und Kommunikation mit 10,8% die größten Steigerungen auf.[2]

Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner der Türkei. Was die Importe in die Türkei betrifft, so kommt Deutschland nach Russland und China an dritter Stelle. Die starke Position Russlands erklärt sich dabei vor allem aus den Energieeinfuhren. Unter den Zielländern für türkische Exporte nimmt Deutschland sogar den ersten Platz ein.

In folgende Branchen bieten sich deutschen Firmen gute Investitionsmöglichkeiten:

Umwelttechnologie und erneuerbare Energien: Mit dem rasanten türkischen Wirtschafts-wachstum ging auch ein verstärkter Energiebedarf einher. Dieser wird bislang hauptsächlich durch Importe aus Russland gedeckt. Um die Abhängigkeit von Energieeinfuhren zu verringern, versucht die türkische Regierung ihre Potentiale im Bereich der erneuerbaren Energien zu erschließen. Projekte in der Wind- und Wasserkraft spielen dabei die größte Rolle. Mit der Liberalisierung des Strommarktes und investitionsfreundlichen Gesetzen entsteht hier ein hochinteressanter Markt für deutsche Unternehmen. In den letzten zehn Jahren ist auch ein gesteigertes Umweltbewusstseins und die Nutzung von saubereren und effizienteren Technologien zu beobachten. Die türkische Regierung fördert Investitionen in Umwelttechnologien.

Logistik und Transport: Die Türkei fungiert als Logistikdrehkreuz zwischen dem Nahen Osten, Zentralasien und Europa. Der Anstieg des weltwirtschaftlichen Handelsvolumens hat zu einem Boom im türkischen Logistiksektor geführt. Die Regierung unterstützt dies durch eine Reihe von Maßnahmen, welche die Verkehrsinfrastruktur des Landes sicherer und effizienter machen sollen. Hierzu gehört die Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene und die Umgestaltung großer Häfen zu Logistikzentren. Beim Bau und Betrieb großer Verkehrsprojekte sollen vorrangig öffentlich-private Partnerschaftsmodelle umgesetzt werden.

Maschinenbau: Die Türkei hat eine führende Position in der Automobil-, Elektro- und Kunststoffindustrie erlangt. Der Ausbau dieser Industrien geht mit einer großen Nachfrage nach modernen Maschinen einher. Der türkische Maschinenbausektor wird von der türkischen Regierung besonders gefördert. Investoren im Maschinenbausektor können daher eine Reihe von Förderprogrammen in Anspruch nehmen.

Lebensmittelindustrie: Dank günstiger ökologischer und klimatischer Bedingungen verfügt die Türkei über einen bedeutenden Agrarsektor und ist der größte Exporteur von landwirtschaftlichen Produkten in Nahost und Afrika. Das Land gehört zu den sechs größten Weizenexporteuren der Welt. Darüber hinaus belegt die Türkei in den Weltmärkten eine Spitzenposition bei der Produktion von Hülsenfrüchten, Nüssen und getrockneten Früchten. Mit seinem enormen landwirtschaftlichen Potenzial bietet die Türkei eine große Vielfalt an Obst und Gemüse, so dass die Lebensmitteverarbeitungsindustrie zu den wachstumsstarken Sektoren der türkischen Agrarindustrie zählen.

Automobilindustrie, Textilindustrie, Gesundheitswesen und Tourismus stellen weitere wichtige Wirtschaftssektoren in der Türkei dar.

Politische, kulturelle und akademische Partnerschaften

Seit 1999 ist die Türkei EU-Beitrittskandidat. Deutschland hat an der Heranführung der Türkei an die Europäische Union ein besonderes Interesse: Die europäische Perspektive stärkt den Prozess der Reformen in der Türkei. Die Türkei spielt zudem eine maßgebliche Rolle für die Stabilität in der Region, die internationale energiepolitische Zusammenarbeit und die Förderung des Dialogs zwischen den Kulturen.

Zwischen Deutschland und die Türkei wächst der Kultur- und Wissensaustausch. 2010 ist Istanbul, gemeinsam mit Essen und dem Ruhrgebiet sowie dem ungarischen Pécs europäische Kulturhauptstadt. Gleichzeitig feiern Istanbul und Berlin das 20-jährige Bestehen ihrer Städtepartnerschaft. Die Türkei gehört zu den wichtigsten Partnerländern in der deutschen Hochschulzusammenarbeit mit dem Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern als wichtigstem Instrument. Diese Kooperation wird durch verschiedene bilaterale Projekte im Bereich Forschung und Technologie erweitert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat verschiedene Initiativen mit der Türkei ergriffen, u.a. eine Kooperation mit dem türkischen Rat für Wissenschaft und Technik (TÜBITAK).

Türkei – Boom am Bosporus

„Die Türkei hat in Deutschland fast eine Omnipräsenz“ – eines der Statements, die auf dem Hamburger Wirtschaftstag Türkei die deutsch-türkischen Beziehungen beschrieben.

Auf der überaus gut besuchten Veranstaltung, die die EMA zusammen mit der Handelskammer Hamburg, dem Undersecretariat of the Prime Ministry for Foreign Trade of Republic of Turkey und der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer im Albert-Schäfer-Saal am 11. Februar 2011 veranstaltet hat, wurden die bereits engen Beziehungen zwischen beiden Ländern und gerade zwischen engagierten Unternehmern noch vertieft.

„Rund 650 Hamburger Wirtschaftsunternehmen haben Beziehungen in die Türkei, davon rund 130 vor Ort“ konnte Heinz-W. Dickmann, stellvertretender Geschäftsführer in der Handelskammer Hamburg, in seinem Grußwort zur Eröffnung der Veranstaltung berichten. Rund 2700 Mitgliedsfirmen der Handelskammer Hamburg sind von türkischstämmigen Unternehmern gegründet worden. Dieser hohen Zahl wird seitens der Handelskammer mit einem Projekt Rechnung getragen, wobei eine Serviceanpassung nach Befragung der Unternehmer erfolgen soll.

Im Namen der EMA begrüßte Prof. Dr. Horst H. Siedentopf die rund 240 anwesenden sehr interessierten Zuhörer mit einem Verweis auf die „einzigartige Beziehung der beiden Länder“. Auch die EMA, die sich für eine nachhaltige Kooperation gerade auf wirtschaftlichem Gebiet zwischen Deutschland und der EMA-Region einsetzt, sieht in der Türkei einen kompetenten Mittler zwischen der EU und dem Nahen Osten. Prof. Siedentopf dankte den Teilnehmern des Wirtschaftstages für ihr Kommen und verwies auf die intensiven wirtschaftlichen Verknüpfungen, die Deutschland zu dem mit Abstand wichtigsten Partner der Türkei macht.

Marc Landau, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer, konnte aus seiner langjährigen Erfahrung vor Ort berichten.

Die Türkei, so Marc Landau, habe in den letzten Jahren einen fundamentalen Wandel durchlaufen, mit dem Bestreben ein „Global Player“ zu werden. Mit einem Wirtschaftswachstum, das über dem der EU liegt, erlebt die türkische Volkswirtschaft einen „Boom am Bosporus“. Mehr Menschen würden inzwischen in die Türkei auswandern als nach Deutschland.

In seinem Grußwort betonte der Generalkonsul der Republik Türkei in Hamburg, Devrim Öztürk, die seit langem bestehenden guten, freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. In einem von Goldman Sachs veröffentlichten Bericht würde für 2050 prognostiziert, das die Türkei die neunt-größte Wirtschaft der Welt sein werde. Deutschland sei nach wie vor einer der größten Investoren des Landes, gerade auf dem Tourismussektor, so Generalkonsul Öztürk.

Block 1: Allgemeine Rahmenbedingungen

Auch in den informativen Vorträgen der hochkarätigen Vortragsredner des Tages wurde die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Türkei betont.

Den ersten Block, unter der fachkundigen Moderation von Marc Landau, eröffnete Ministerialrat Helge Tolksdorf mit seinem Vortrag zu den deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen. Er betonte, dass die Türkei „fast eine Omnipräsenz“ habe und seit den letzten Jahren das Partnerland diverser großer Messen in Deutschland sei, wie auf der Frankfurter Buchmesse, der CEBIT oder auch der ISM.

Innerhalb der letzten zehn Jahre haben sich der Warenaustausch zwischen Deutschland und der Türkei verdoppelt, nach wie vor sei Deutschland der wichtigste Zielmarkt in der EU. Als strategische Bereiche der Zusammenarbeit definierte Ministerialrat Tolksdorf die Sektoren Energie und Infrastruktur. Der Energiemarkt sei ein „großer Wachstumstreiber“, so Tolksdorf, der auch noch weiter zunehmen werden, gerade mit den Überlegungen zum Energietransit nach Europa (NABUCCO, BTC etc.). Ebenso biete der Infrastrukturausbau (Transport, IT, Kommunen) Potential, aber auch Herausforderungen.

Auch Fatih Altunyuva von der ISPAT, Republic of Turkey Prime Ministry Investment Support and Promotion Agency, verdeutlichte in einem kurzweiligen Vortrag die wirtschaftlichen Leistungen der Türkei. So sei die Türkei die sechst-größte Volkswirtschaft in der EU, stehe weltweit unter den Autohersteller an siebzehnter Stelle und habe das siebt–größte Tourismusaufkommen. Mit einer Bevölkerungsstruktur, in der gut die Hälfte der Bevölkerung unter 30 sei, und mit ihrer zentralen Lage biete sich die Türkei für Investitionen wohl als Brücke in die Region wie auch nach Europa an.

Im Anschluss beleuchtete Ulrich Burghardt, Direktor Cross Border Business Management der UniCredit Bank AG den türkischen Bankensektor. Annähernd alle in Deutschland bekannten Bankprodukte würden auch in der Türkei angeboten.

Zum Ende des ersten Blocks berichtete der türkische Rechtsanwalt Dr. Mehmet Köksal von Luther Karasek Köksal Danismanlik A.S. über die aktuellen Entwicklungen auf rechtlichem Gebiet. Viele der rechtlichen Bestimmungen, wie im Aufenthaltsrecht oder der Arbeitserlaubnis, seien gerade für EU-Bürger „ausländerfreundlich“ mit einem großen Ermessenspielraum aufgrund der vielen „Kann“-Regelungen.

Die Kaffeepause wurde rege für einen Austausch zwischen den Teilnehmern genutzt und griff die gute Stimmung des Vormittags auf.

Block 2: Maschinenbau und Lebensmittelindustrie

Mit seinem Bericht über die türkische Maschinenbauindustrie leitete Ali Eren, Vizepräsident der Turkish Maschinery Promotion Group, die Fortsetzung des Vormittags ein. Der Maschinenbausektor sei ein strategischer Sektor, der „schneller wächst als die restliche Wirtschaft“ und dieser sei für die deutsch-türkischen Beziehungen besonders wichtig, da in diesem Sektor die Interessen komplementär wären und eine „win-win“-Situation bestehe. Desweiteren ging er auf das türkische Qualitätssiegel TURQUM ein.

Der Generalsekretär der Aegean Exporters´Associations beleuchtete den Sektor der Lebensmittelindustrie der Türkei. Die Türkei sei einer der größten Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte, wobei sich der Absatz stark auf den europäischen Markt fokussiere. Einer der größten Märkte innerhalb der EU sei Deutschland. Auf viele der türkischen Lebensmittel würde kein Zoll erhoben innerhalb der Zollunion mit der EU, ausgenommen auf Olivenöl, was ein großes Problem darstelle.

Anschließend berichtete Kudret Ceran, Vize-Generaldirektor im Außenhandelsstaatssekretariat und ehemaliger Handelsattaché des Türkischen Generalkonsulats in Hamburg, in seinem Vortrag über die Außenhandelsbeziehungen der Türkei. Während die Visumsbestimmungen mit vielen Ländern bereits erleichtert oder ganz abgeschafft worden seien, würden diese in den deutsch-türkischen Beziehungen eine große Barriere darstellten. Gerade auf diesem Gebiet sei noch viel Arbeit zu leisten.

Mit dieser Aufforderung der Nachbesserung begann die verdiente Mittagspause mit einem reichhaltigen Buffet. In lockerer und geselliger Atmosphäre wurden angeregte Gespräche geführt und die erhaltenen Informationen diskutiert. Auch wenn die Pause vielen Gästen für eingehendere Gespräche zunächst zu kurz erschien, begann mit nur leichter Verspätung der interessante dritte Block unter der kundigen Moderation von Heinz-W. Dickmann.

Block 3: Erneuerbare Energien

Herausragende Themen der türkischen Volkswirtschaft sind die Energiebeschaffung und –versorgung, gerade wegen der erhöhten Inlandsnachfrage und der Importabhängigkeit des Landes.

Mehmet Ayerden, Vize-Generaldirektor der Turkish Elecritricity Trading and Contracting Company, merkte an, dass es das Hauptziel der Politik sei, einen transparenten Markt für Energie zu erreichen, wobei die freie Wettbewerbspolitik durch die Gesetzgebung unterstützt werde. Im Anschluss an seinen Vortrag berichtete Frau Sinem Caynak aus dem Energieministerium über das Anliegen der Türkei, einerseits die Energieversorgung sicherzustellen, andererseits gerade den Anteil der Erneuerbaren Energie zu erhöhen, der bisher noch nicht auf dem gewünschten Level sei. Eine Bewertung der Chancen der Windkraft in der Türkei präsentierte Dr. Helmut Klug vom GL Garrad Hassan. Das große Potential an Energiegewinnung wird bereits in landesweiten Windparks genutzt, wichtig sei aber vor allem, dass zur Einspeisung auch der Anschluss in das Netz gegeben sei.

Aus der Praxis berichtete Ayhan Gök, Managing Director von Nordex Turkey. Bezüglich des gerade verabschiedeten neuen Energiegesetzes stelle sich die Frage, wie dieses umgesetzt werden solle und welche Nachteile die Gesetzgebung für deutsche Firmen habe.

Nach der Kaffeepause am Nachmittag, in der die angeregten Gespräche und Kontaktaufnahmen fortgeführt wurden, begann der letzte Block des Tages zum Thema Logistik.

Block 4: Logistik und Infrastruktur

Murat Gürmeric von der State Planning Organisation informierte die Zuhörer über die Verkehrsinfrastruktur, wobei noch 94% des Gütertransportes über die Straßen erfolge. Weitere hohe Investitionen, immerhin 4% des BIP und zusätzliche private Investitionen würden in das öffentliche Transportwesen gesteckt. Neben dem Luftverkehr würde nun auch der Schienenverkehr weiter ausgebaut. Der Ausbau der Infrastruktur werde mit PPP-Projekten vorangetrieben, wie beispielsweise das Istanbul-Izmir Projekt oder auch der Bau eines neuen Containerhafens. Die Zukunft des Logistikwesens sah Kosta Sandalci, Vizepräsident der Freight Forwarders & Logistics Service Providers Association, vor allem in kombinierten Frachtwegen. Er sähe die Türkei als Brücke zwischen dem Kaukasus, Zentralasien, dem Mittleren Osten und Europa, so Herr Sandalci.

Auch Osama Romhi aus dem Management European Overland bei Kühne & Nagel, bestätigte in seinem Vortrag, dass vom Kühne & Nagel bisher der Transport über die Straßen am stärksten genutzt werde, wobei durch Staus in den Ballungsgebieten und Zollabfertigung sehr viel Zeit verloren gehe. Die Türkei habe mit einem großen Binnenmarkt und einer jungen Bevölkerung sowie hohen Auslandsinvestitionen große Vorteile. Wenig qualifizierte Arbeitnehmer und die Konzentration auf nur wenige Industriezentren seien ein Nachteil.

Mit einem herzlichen Dank an die Referenten und Gäste schloss der Moderator Heinz-W. Dickmann den Hamburger Wirtschaftstag Türkei, an dem viele neue Eindrücke und Informationen über das Deutschland so nahestehende Land vermittelt wurden.

Pressestimmen 1, 2, 3, 4 (auf Türkish)

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