Letzte Aktualisierung: 19. Juli 2022

Die am Horn von Afrika gelegene Republik Dschibuti ist mit einer Fläche von 23.200 km² (zum Vergleich: Mecklenburg-Vorpommern hat eine Fläche von 23.214 km²) und einer Bevölkerung von rund 957.000 Menschen einer der kleinsten Staaten Afrikas. Die geografische Lage am Roten Meer und am Golf von Aden sowie die Nähe zu Äthiopien, Eritrea und Somalia machen es jedoch zu einem geostrategisch und wirtschaftlich wichtigen Standort. Dschibuti beherbergt eine Reihe ausländischer Militärbasen – darunter der USA und Chinas – und stellt den regionalen Marinestützpunkt für die EU-Operation Atalanta gegen die Piraterie vor der somalischen Küste, an der auch Deutschland bis zu einer Neubewertung im Mai 2021 beteiligt war.

Im April 2021 wurde Ismaïl Omar Guelleh für seine fünfte fünfjährige Amtszeit als Präsident gewählt – er regiert bereits seit 1999. Im Jahr 2022 blickt Dschibuti auf 45 Jahre Unabhängigkeit von Frankreich zurück. Dschibuti ist Mitglied der UNO, der Afrikanischen Union und der Intergovernmental Authority on Development (IGAD), einer regionalen Organisation im Nordosten Afrikas mit Sitz in Dschibuti.

Dschibutis Wirtschaft wächst und war vor dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie relativ unbeeinflusst von der globalen Finanzkrise, den fallenden Ölpreisen und dem sich verlangsamenden chinesischen Wirtschafts-wachstum geblieben. Die Wachstumsraten waren von 4,5 Prozent im Jahr 2011 auf 7,5 Prozent im Jahr 2019 angestiegen. Dies war vor allem auf den Anstieg der privaten und öffentlichen Investitionen zurückzuführen. Trotz der Covid-19-Pandemie wurde für Dschibuti ein BIP-Wachstum von bemerkenswerten sieben Prozent im Jahr 2021 prognostiziert, nach einem Rückgang von einem Prozent im Jahr 2020. Das Wachstum Dschibutis ist jedoch stark von Entwicklungen im Nachbarland Äthiopien abhängig.

Mit einem BIP-Anteil von mehr als 80 Prozent bestimmt der Dienstleistungssektor die wirtschaftlichen Aktivitäten. Seine Hauptbereiche sind Häfen, die Verwaltung, das eingesetzte ausländische Militär und der Luftverkehr. Der strategisch günstig gelegene Containerhafen in Doraleh ist ein wichtiger Transit- und Umschlaghafen für die Länder der Region – insbesondere für Äthiopien. Er ist der größte und modernste in Ostafrika und der einzige Hafen, der per Bahn mit Äthiopien verbunden ist; durch neue Entwicklungen in Äthiopiens Beziehungen mit Eritrea und Somaliland zeichnet sich bei Dschibutis Quasi-Monopol jedoch bereits Konkurrenz ab.

Das Land setzt auch auf den Ausbau der erneuerbaren Energien und hat laut dem Borgen Project die natürliche Kapazität, 300 Megawatt erneuerbare Energie pro Jahr zu produzieren, da es reichlich Sonneneinstrahlung und viele Möglichkeiten, geothermische Energie zu ernten, gibt. Im März 2021 wurde das bisher größte Projekt der EU in Dschibuti – eine 70 Millionen Euro teure Meerwasserentsalzungsanlage – in Betrieb genommen. Neben dem Bau eines Geothermie-Kraftwerks in der Region des Assal-Sees 2018 wurde im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft zwischen dem dschibutischen Ministerium für Energie und Natürliche Ressourcen und einem europäischen Konsortium der Bau eines Solarparks im Süden Dschibutis in Angriff genommen; das Projekt wurde im Mai 2020 von der dschibutischen Regierung genehmigt. Diese Bemühungen sind Teil des Plans von Dschibuti, bis 2025 das erste Land in Afrika zu werden, das ausschließlich auf grüne Energie angewiesen ist. Mit der Diversifizierung der Wirtschaft und ausländischen Direktinvestitionen sollen aber auch die anhaltenden Herausforderungen der Energie- und Wasserversorgung sowie die Abhängigkeit vom Hafengeschäft angegangen werden.