Letzte Aktualisierung: 2. Juli 2020

Der Staat Katar liegt auf einer Halbinsel im Arabischen Golf und hat nur mit Saudi-Arabien eine Landgrenze. Die Hauptstadt Doha befindet sich im Osten des Landes direkt am Meer. Das Land hat rund 2,8 Millionen Einwohner – fast 90 Prozent davon sind Nicht-Einheimische – und ist etwas kleiner als Schleswig-Holstein.

S.H. Sheikh Tamim bin Hamad Al-Thani führt das Land als Staatsoberhaupt und Regierungschef seit 2013, als sein Vater zu seinen Gunsten abdankte. HH Sheikh Hamad bin Khalifa hatte die wirtschaftliche und politische Öffnung des Landes eingeleitet. Im Jahr 1999 war Katar das erste Land in der Golfregion mit aktivem und passivem Frauenwahlrecht auf kommunaler Ebene. Seit 2003 hat Katar eine neue Verfassung, die eine beratende Versammlung vorsieht.

Von einem Land, dessen Wirtschaft vom Fischfang und Perlentauchen geprägt war, hat sich Katar seit der Unabhängigkeit 1971 schnell zu einem Industriestandort entwickelt. Der Industriesektor trug 2017 rund 50,3 Prozent zum BIP bei, vor allem aufgrund der Einnahmen aus der Erdölindustrie. Zwischen 1994 und 2017 verdreifachte sich der Anteil Katars an der Ölproduktion innerhalb der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) auf rund fünf Prozent. Dennoch zog sich Katar Ende 2018 aus der OPEC zurück. Dies geschah vor dem Hintergrund von Spannungen zwischen Katar und einigen benachbarten Golfstaaten, die Situation hat sich jedoch seit Anfang 2021 deutlich entspannt.

Katar konzentriert sich bereits stärker auf den Gasmarkt, da es über die drittgrößten Erdgasreserven der Welt verfügt und in den letzten Jahren der größte Exporteur von Flüssigerdgas (LNG) war. Darüber hinaus verfügt es über eine florierende Düngemittelproduktion und Aluminiumindustrie.

Katars Führung setzt nun verstärkt auf die Diversifizierung der Wirtschaft. Vor dem Hintergrund der Fußballweltmeisterschaft 2022 wurde das Infrastrukturprogramm Vision Qatar 2030 umgesetzt. Es stellt den Übergang zu einer wissensbasierten Gesellschaft dar. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Finanzdienstleistungssektor zu. Darüber hinaus investiert der Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) – einer der größten der Welt – stark in globale Aktien wie Barclays Bank, Credit Suisse, Deutsche Bank, Hapag Lloyd, London Heathrow Airport und Volkswagen. Laut dem Ease of Doing Business Index der Weltbank belegt Katar den zweiten Platz in der Welt in Bezug auf Besteuerung und Steuerklima. Auch der Umweltschutz genießt in Katar mit der Schaffung eines Umweltministeriums und eines nationalen Umweltplans zunehmendes politisches Gewicht.

Die Notwendigkeit, bei Unternehmensgründungen lokale Mehrheitspartner einzubeziehen, wurde in den letzten Jahren abgeschwächt. In den Bereichen Bildung, Gesundheit, Industrie, Landwirtschaft und Tourismus sowie bei Projekten im Zusammenhang mit Bodenschätzen und Energie ist ein solcher Partner nicht mehr zwingend erforderlich. In anderen Bereichen wie Beratungsdienstleistungen, IT, Sport und Tourismus ist eine hundertprozentige ausländische Beteiligung zulässig. Erleichtert werden sollen Direktinvestitionen auch dadurch, dass der Körperschaftssteuersatz für ausländische Unternehmen konstant bei zehn Prozent liegt. Dank der Konjunkturpakete der Regierung und der erfolgreichen Impfkampagne erholt sich Katars Wirtschaft schnell von den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, für 2021 wird ein Wachstum von 2,4 Prozent erwartet.